Wohlen: Giftige Diskussion um 1099 Franken
Ein Ausflug an die Gewerbeausstellung zieht in Wohlen einen kleinen Papierkrieg nach sich: Die offizielle Antwort zur SVP-Anfrage ist 3 Seiten lang. (wohlen.ch/SRF)
Eine Glosse von Maurice Velati
Der Streit schwelt schon lange. Er war Thema in der Finanzkommission. Er war Thema im Einwohnerrat. Und nun liegt er auch noch in schriftlicher Form vor: Als Antwort des Gemeinderates auf die Anfrage Nummer 12051, eingereicht durch einen SVP-Vertreter.
55 Franken Essen und Trinken pro Nase
Drei A4-Seiten umfasst der Bericht. Und es geht um folgendes: Der Gemeinderat hat anlässlich der Gewerbeausstellung 2010 eine Delegation der Partnergemeinde Leermos (Österreich) eingeladen. Man ging mit ungefähr 20 Personen (Ehepartner inklusive) essen und trinken.
Kostenpunkt: 1099 Franken. Das entspricht laut Bericht einem durchschnittlichen Wert von 55 Franken pro Person. Für diese Ausgaben liegen aber keine detaillierten Quittungen vor (Frage: Wie oft erhalten Sie an einem Dorffest Quittungen für Ihr Bier?).
Steuergelder-Verschwendung im FC-Zelt?
Die örtliche SVP wittert Steuergelder-Verschwendung. Und will unter Frage 3 deshalb wissen: «Weiss der Gemeinderat, dass im FC-Zelt eine Registrierkasse mit Bonausgabe existiert und dass auch 'Hexen' schreiben können?» (Erklärung: In der «Hexen-Bar» war das Servicepersonal als Hexen verkleidet).
Die Antwort aus dem Gemeindehaus: «Der Gemeinderat war (...) nicht im FC-Zelt, sondern bei der Feuerwehr und am Samstag in der 'Hexen-Bar' (...). Der Gemeinderat weiss deshalb nichts von der Registrierkasse im FC-Zelt.» Und weiter: «Der Gemeinderat geht auch davon aus, dass die 'Hexen' schreiben können.»
Die echten Wohler Probleme
Es ist offensichtlich: Der Tonfall in der Wohler Politik ist gereizt. Und tatsächlich hat die Gemeinde ja auch Probleme. Zu wenig Steuereinnahmen, zu viele Sozialausgaben. Nur: Solche politischen Anfragen stopfen natürlich kein Loch in der Gemeindekasse.
Im Gegenteil: Der ganze Papierkrieg rund um diese Geschichte dürfte wohl noch mehr gekostet haben als die beanstandeten 1099 Franken.
